Papst macht jetzt Werbung für Coca-Drink

Zukunftsweisendes Konzept:
Sieht so die neue Papst-Reklame aus?
ROM, 10. November 1898 (eigener Drahtbericht). Ein weiteres Mal erstaunt der Bischof von Rom, dessen Pontifikat bisher doch eigentlich eine besondere Fürsorge für die Armen dieser Welt zu zeigen schien, mit einer überraschenden Hinwendung zum Großkapital: diesmal wird nicht die Sixtinische Kapelle zum Werbeträger für Leuchtmittel- oder Automobilhersteller, sondern der Papst selbst stellt sich zur Verfügung; soeben soll er einen weitreichenden Werbevertrag mit einem namhaften Getränkeproduzenten abgeschlossen haben; wieviel Geld dafür geflossen ist, ist bisher nicht bekannt.

Der bescheidene Pontifex ist bekannt für seine Spontaneität und seine Begeisterung für die neuen Medien – erst letztens fand wieder ein Video von ihm virale Verbreitung, das ihn zeigt, wie er ohne Angst vor Attentätern im offenen Papamobil durch die Straßen von Rom fährt, die Menge begrüßt, sich ganz nah zu den Menschen begibt, freundlich in die Kamera winkt. Bald wird er uns auch von Plakaten und aus seitenfüllenden Zeitungsanzeigen anlächeln, die Vorzüge des von ihm angeblich in Mengen genossenen Getränkes anpreisend, das so bekannt ist, daß wir es hier nicht zu nennen brauchen.

Die Tiberente traf den Heiligen Vater in den vatikanischen Gärten. Eigentlich sollte er sich jetzt mit Ehe und Familie beschäftigen; die Deutschen machen der Kirche da im Augenblick große Sorgen. Auch die Afrikaner, die Evangelisierung, der kirchenfeindliche Journalist, der schon über des Papstes Vorgänger kein gutes Wort hatte verlauten lassen und im letzten Jahr zum großen Schrecken so mancher Katholiken mit vermeintlichen Enthüllungen die Gutgläubigkeit des energischen aber vertrauensseligen Kirchenführers ausgenutzt hat. Doch all das kommt seiner Leutseligkeit nicht entgegen; für uns aber nimmt sich der Mann in der weißen Soutane Zeit.

Wir bestürmen ihn, hoffen auf ein klärendes Wort; ist der Hersteller des dunkelroten Genußwassers nicht ein Unterdrücker der Armen? Will der Papst womöglich nur die südamerikanischen Kokabauern unterstützen? – Doch der lächelt nur, gewohnt freundlich greifen in volle Trauben seine weißen Hände: „Nein, ich verehre dieses Getränk wirklich! Es stärkt mich, stimuliert mich, regt mich zu vielen neuen Gedanken an. Die Effekte sind kolossal! Ich trage immer eine Flasche bei mir. Der Hersteller ist ein Wohltäter der Menschheit – deshalb habe ich ihm auch eine gesegnete Goldmedaille geschenkt, als Zeichen meiner Wertschätzung.“ Mit dieser mehr als dürftigen Erklärung läßt uns der Heilige Vater stehen. Soviel zur neuen Offenheit der Kirche, mit der als Ziel der Papst angetreten ist!

Die anregende Brause ist eine Weltmarke, wird in allen westlichen Ländern angeboten, der Hersteller: ein Moloch. Die gesundheitlichen Risiken des kalorienreichen Tonikums sind bekannt – die französische Regierung überlegt gar, den Trank im Interesse der Volksgesundheit zu verbieten. Millionen werden damit gescheffelt, und der Produktionskonzern schreckt auch nicht davor zurück, mit nackten Kokotten für sein Produkt zu werben.

Paßt das zu einem Papst, dem die Armen, die Arbeiter, die sozialen Fragen dieser Welt am Herzen liegen? Der eine Entweltlichung der Kirche anstrebt? Will er seine Beliebtheit gewinnbringend ausnutzen? Will der Pop-Pontifex sich der englischen Königin und dem amerikanischen Ex-Präsidenten oder den vielen Prominenten aus Kunst und Kultur gleichmachen, die das Modegebräu konsumieren und mit deren Porträt die Brauerei ebenfalls wirbt?

Wir wissen es nicht – wir wissen nur, daß sein konservativer Vorgänger so niemals gehandelt hätte. Die Kirche befindet sich in einer tiefen Krise – was kann noch Schlimmeres kommen? Dem dunklen Gesöff mit der wachmachenden Wirkung jedenfalls wird das Image des Dreigekrönten im Reklamegroßkampf mit seinem US-Konkurrenzprodukt sicherlich von Nutzen sein. Auch diese neueste Aktion ist, wie so vieles, was dieser Papst von sich gibt, ein Rätsel.

Kommentare:

  1. Wie aus gut unterrichteten Kreisen berichtet, wurden im Laufe des heutigen Tages weitere, schockierende Einzelheiten bekannt: ein Unterhändler von Coca-Cola bot dem Heiligen Vater 100.000 $, wenn das "Vaterunser" geändert werde. In Zukunft soll es heissen: "Unser täglich Coke gib uns heute!" Der Papst lehnt kategorisch ab.
    Auch bei 200.000 und 500.000 $ hatte der Vertreter zunächst keinen Erfolg.
    Nach Rücksprache mit seiner Firma bot er schließlich 10 Millionen $.
    Der Papst zögert zunächst, griff dann aber beherzt zum Telefon und rief seinen Sekretär an: "Schau doch bitte mal eben nach, wie lange dieser Vertrag mit der Bäckerinnung noch läuft."

    Jetzt haben wir uns alle aber erstmal 'ne Fanta verdient, denn da sind wenigstens noch ein paar Fittamine drin!

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    1. Ist ja zum Rumkugeln!

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    2. Na, Alkohol ist aber auch keine Antwort!

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    3. Jedenfalls nicht ohne Kokain.

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  2. Das mit der Bäckerinnung ist gar nicht so abwegig: http://tinyurl.com/Dom-Stollen

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