„Tiberente“ erobert arabischen Markt

BERLIN / ABU DHABI, 14. Safar 1436 (eigener Bericht). Die Chefredaktion der Tiberente freut sich, die erfolgreiche Plazierung ihres Produktes auf dem arabischen Markt bekanntzugeben. Zunächst wird die arabische Ausgabe unserer Zeitung in den Vereinigten Arabischen Emiraten vertrieben; derzeit laufende Verhandlungen mit dem Riader Informationsminister Abdulaziz bin Mohieddin Khoja sollen der Tiberente bald auch einen sicheren Stand in Saudi-Arabien verschaffen.

Bei der Redaktionseröffnung in Abu Dhabi beehrte Kronprinz Muhammad bin Zayid Al Nahyan persönlich die versammelten Journalisten mit einer Rede, in deren Verlauf er der Redaktion Glück wünschte: „Ich wünsche Ihnen viel Glück in unserem schönen Lande – Sie werden es brauchen. Auch in Ihrer Heimat weiß man, daß der Prophet Mohammed einen großen Garten hatte; doch ihm gefielen nicht alle Blumen gleich gut. Das Volk von Abu Dhabi freut sich sehr, eine weitere bunte Blüte im Strauß unseres vielfältigen Informationsangebotes erblühen zu sehen. Es hofft, daß sie zu den schönen und duftenden gehört; sonst…“

Auch in der Heimat gratulierte man der Tiberente zu dem Schritt: Die Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-▉▉▉▉berg, Monika Herrmann (Grüne), sandte ein Grußwort und beglückwünschte die Horizonterweiterung unserer Zeitung sehr: „Bisher führte der Bezirksrat die Tiberente immer auf der Liste der umstrittenen und fundamentalistischen Medien. Sie scheinen nun aber dazugelernt zu haben und stellen Ihre Besserung unter Beweis, indem Sie sich nun endlich einer Minderheit zuwenden, die in unserer Stadt eine marginalisierte Gruppe ist, nämlich den Muslimen und Muslimas. Das anerkennen wir. Wir nehmen ferner mit Genugtuung zur Kenntnis, daß Sie sich nunmehr endlich zu einer Religion des Friedens und der Freiheit bekennen. Hoffentlich wird dieser Schritt positive Effekte auf Vielfalt und Multikulturalismus auch in unserer Stadt haben. Toleranz ist unser höchstes Gut; insofern freuen wir uns besonders, daß Sie sich dazu entschlossen haben, Symbole der Intoleranz aus Ihrem Erscheinungsbild zu verbannen.“

Der Chefredakteur der Tiberente beeilte sich in einer Ansprache in der Berliner Chefredaktion, beiden Politikern zuzustimmen: „Ich war immer ein Anhänger des Propheten Muhammad – Gott segne ihn und schenke ihm Heil!“ sagte er, während er seinem verschlagenen Blick eine gütige Anmutung zu geben suchte. „Das widerspricht dem katholischen Glauben nicht. Es ist selbstverständlich, daß wir unsere neuen Leser nicht verärgern wollen; unser erstes Ziel wird also von nun an sein, über den wahren Islam aufzuklären. Wir werden der Blogözese eine neue Sicht auf die Segnungen des Islams zeigen und auch die große Gefahr nicht verschweigen, die von den Ungläubigen ausgeht. Das sind wir dem Dialog der Religionen schuldig. Allah will es!“ Sich gierig die Hände reibend nahm er daraufhin die begeisterten Huldigungen seiner alten Berliner und neuen arabischen Untergebenen entgegen.

Die Tiberente soll bis Ende des nächsten Jahres in allen arabischsprachigen Ländern erscheinen. Eine iranische und eine türkische Ausgabe sollen folgen, um die ganze muslimische Welt abzudecken. Die Chefredaktion hofft, auf diese Weise von der für 2017 geplanten Ausbreitung des Islams auf die gesamte Welt profitieren zu können.

Die Feierlichkeiten zur gelungenen Expansion gingen im Berliner Hauptquartier der Tiberente noch lange weiter. Schließlich bleibt als Letzter nur der Chefredakteur noch in den hohen, düsteren Hallen, setzt sich an seinen Schreibtisch und schaltet die großen Bildschirme ein, über die, von hundert Fernsehstationen gesendet, die Nachrichten aus aller Welt flackern. Triumphierendes Lachen dringt mit jedem weiteren geköpften Christen, mit jeder weiteren zerstörten Kirche aus dem einsam erleuchteten Fenster in die unheilvolle Nacht, bis der Chefredakteur irgendwann innehält und, sich einen Augenblick besinnend, den Hörer abnimmt, um die Nummer von Kim Jong-un zu wählen…

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